Wohnmobil steht in der Natur an einem See
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Reisen mit Wohnmobil – Vor und Nachteile

Reisen mit Wohnmobil liegt ganz im Trend und die Anzahl der Wohnmobile stieg in den letzten Jahren stetig an. In Deutschland waren im Jahre 2011 rund 332 160 Wohnmobile registriert. Bis 2016 erhöhte sich die Zahl auf zirka 417 290. Mit dem Wohnmobil zu reisen bringt viele Vorteile mit sich. Für manche Einsteiger erweist sich diese Reiseart jedoch als nachteilig und der Traum vom Urlaub auf vier Rädern zerbröckelt nicht selten bereits während der ersten Tour.

Mit Wohnmobil unterwegs – Flexibilität und weitere Vorteile

Die größten Pluspunkte bei Touren mit dem Wohnmobil sind:

  • Hohe Flexibilität
  • Das Zuhause ist immer dabei

Das Wohnmobil ist sozusagen das zweite – und für manche Menschen auch das erste und einzige Zuhause. Es kann nach den persönlichen Vorlieben entsprechend eingerichtet werden, wobei Selbstausbauten einen noch größeren Freiraum für individuelle Einrichtungen bieten. Bei jeder Reise ist alles an Bord, was einem wichtig und lieb ist. Egal, wo man steht und campt – man muss sich nicht auf eine fremde Unterkunft einstellen.

Eine Reise mit Wohnmobil führt auch nicht nur an einen Ort. Diese Reisevariante lässt sehr viel Flexibilität zu. Zudem können spontane Kursänderungen vorgenommen werden, zum Beispiel wenn das einstige Reiseziel den eigenen Vorstellungen und Ansprüchen nicht gerecht wird. Dann kann man sich einfach hinters Steuer setzen und einen anderen Ort anfahren.

Länder, Leute und Kulturen kennenlernen

Im Vergleich zum Urlaub in Hotel oder Ferienwohnung kommt man bei Wohnmobilreisen viel mehr in den Genuss, Land und Leute kennenzulernen. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn der Wohnmobilreisende auch tatsächlich unterwegs bleibt und nicht gezielt einen bestimmten Campingplatz ansteuert. Wer offen, freundlich und neugierig reist, wird mit verschiedenen Menschen in Kontakt kommen. Wenn man sich zudem abseits der Touristenzentren bewegt und in oder neben kleinen Dörfern parkt, wird man viel mehr über die Gepflogenheiten der Region oder des Landes erfahren, als beim Urlaub in fester Unterkunft. „Wie man in den Wald ruft, schallt es zurück“ – heißt es so schön. Geht man freundlich und respektvoll auf die Einheimischen zu, entstehen schnell Gespräche und manchmal entwickeln sich daraus auch echte Freundschaften.

Wahl zwischen Freicampen und Campingplatz

Freicampen, also abseits von Stellplätzen oder Campingplätzen, ist zwar innerhalb Europa immer weniger möglich, aber es gibt trotzdem noch genügend Möglichkeiten, sich auch mal einfach an den Waldrand, auf einem Wanderparkplatz oder an eine ruhige Stelle ans Meer zu stellen. Dabei sollten immer einige Regeln beachtet werden: Niemanden stören, auch nicht die Natur und den eigenen Müll mitnehmen.

Es tut einfach gut, auch einmal alleine zu campen, die Natur in vollen Zügen zu genießen und wahre Stille zu erfahren.

Wem dazu der Mut fehlt, findet fast unzählige Stellplätze oder Campingplätze vor. Zum Beispiel ist Frankreich sehr gut  auf Wohnmobilreisende eingestellt. In diesem Land muss man nicht lange fahren, um den nächsten Stellplatz zu entdecken. Auch Deutschland hat in den letzten Jahren sehr viele Stellplätze geschaffen und somit ist die Auswahl recht groß. Zudem ist für jeden Geschmack etwas dabei: Für Städtereisende genauso wie für Naturliebhaber.

Wohnmobilreisen – für Hundehalter ideal

Hundehalter haben häufig das Problem, geeignete Ferienunterkünfte zu finden, in denen Hunde erlaubt sind. In den meisten Hotels sind Hunde verboten und je nach Größe des Hundes sind auch viele Besitzer von Ferienhäusern- oder wohnungen gegen das Mitbringen des vierbeinigen Freundes.

Zudem muss die Umgebung passen. Mit Hund über den Strand laufen – das ist nicht an allen Küstenabschnitten erlaubt.

Mit Hund im Wohnmobil unterwegs zu sein ist mehr als wohltuend. Der Vierbeiner hat genauso sein Zuhause dabei wie seine Menschen. Er muss sich somit auch nicht an eine fremde Unterkunft gewöhnen. Im Wohnmobil hat er seinen Platz und in der Regel fühlen die Vierbeiner sich im rollenden Zuhause sehr wohl.

Sollte die angepeilte Gegend für Hunde ungeeignet sein, bleibt man nicht lange und sucht sich das nächste Etappenziel aus.

Reisen mit Wohnmobil – es gibt auch Nachteile

Alles hat zwei Enden – und somit gibt es auch ein paar Nachteile:

Anschaffungspreis und laufende Kosten

Ein Wohnmobil ist mit einem relativ hohen Anschaffungspreis verbunden. Selbst für gebrauchte Wohnmobile müssen ein paar tausend Euro auf den Tisch gelegt werden. Preiswerter sind unter Umständen Selbstausbauten. Die Kosten für die Inneneinrichtung hängen vom jeweiligen Anspruch ab. Wer möglichst autark reisen möchte, benötigt zudem Solarpaneele, eine hochwertige Batterie und weiteres Zubehör wie Stromumwandler etc. Hinzu kommen Kosten für Kühlschrank, Herdplatte, Beleuchtung usw.

Die Anschaffungskosten für ein Wohnmobil – egal welcher Art – sind auf jeden Fall wesentlich höher, als beispielsweise für einen Wohnwagen.

Außerdem sind die laufenden Kosten nicht zu unterschätzen: KFZ-Steuern, Versicherung und immer mal wieder kleinere oder größere Reparaturen sowie neue Reifen und andere Ausgaben.

Wer Zuhause keinen Platz zum Abstellen seines Wohnmobils hat, muss zudem Kosten für eine Unterstellmöglichkeit einkalkulieren.

Die Investition in ein Wohnmobil rechnet sich eher nicht, wenn man damit nur einmal im Jahr für zwei oder drei Wochen in Urlaub fährt. Wer dagegen oft und lange unterwegs sein möchte, ist mit dem Kauf eines Wohnmobils gut beraten. In dem Fall wären die Kosten für Unterkünfte, Anreise und eventuell Mietwagen höher, als die Reisekosten mit Wohnmobil.

Kleiner Raum und Raum für sich selbst

Mit Wohnmobil unterwegs zu sein bedeutet: Auf kleinstem Raum leben. Genau dieser Punkt führt bei vielen Anfängern zu Frust – und manchmal auch zur Ehekrise. Als Paar muss man vor allem eins können: Dem Partner auf kleinem Raum Freiraum geben. Es muss die Möglichkeit bestehen, sich auch einmal zurückziehen zu können, beispielsweise um in Ruhe zu lesen oder einfach um den eigenen Gedanken nachhängen zu können.

Wer sich zuhause gerne und oft in ein eigenes Zimmer zurückzieht, der wird es im Wohnmobil schwer haben. Bei Sonnenschein und gutem Wetter ist dies noch relativ problemlos möglich. Wenn es aber ein paar Tage hintereinander regnet, dann zeigt es sich, ob das Wohnmobil das geeignete Reisemittel ist.

Enge Gassen und andere Herausforderungen

Manchmal gerät man in wahre Zwickmühlen, zum Beispiel wenn man in alte Dörfer Spaniens oder Frankreichs einfährt und dort vor ziemlich engen Gassen steht. Manchmal enden die Straßen auch in Sackgassen und das ohne vorherige Hinweisschilder. Das Wenden mit wenig Platz lässt ab und zu das ein oder andere graue Haar wachsen.

Stadtbesichtigungen sind hin und wieder ebenfalls eine Herausforderung – wenn Parkplätze für größere Fahrzeuge fehlen oder nur in geringer Anzahl vorhanden sind.

Einige Ausflugsziele  sind mit Wohnmobil nur schwer zu erreichen. In manchen Ländern sind an den Parkplätzen Schranken mit einer Höhe angebracht, die nur für PKW zu unterqueren sind. Damit möchte verhindert werden, dass der Parkplatz zum Übernachtungsplatz verwendet wird.

In anderen Orten sind die vorhandenen Stellplätze so überfüllt, dass man dem Nachbarn auf den Teller spucken könnte. Dann hat Reisen mit Wohnmobil nicht mehr viel mit Freiheit zu tun – es sei denn, man lässt das Ausflugsziel links liegen und fährt einfach weiter.

Fazit

Momentan liegt das Reisen mit Wohnmobil im Trend. Langfristig gesehen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit viele Menschen wieder umsteigen und lieber in fester Unterkunft Urlaub machen oder mit Wohnwagen einen Campingplatz anfahren.

Diese Reisevariante muss einem gefallen und zwar mit allen Vor- und Nachteilen. Zudem sollte ein Paar, das gemeinsam im Wohnmobil reist, die Fähigkeit besitzen, offen miteinander zu reden, damit sich beide zuhause fühlen können. Dazu gehören auch faire Kompromisse. Möchte der eine Musik hören und der andere in Ruhe lesen, werden halt Kopfhörer fällig, sodass beide auf ihre Kosten kommen.

Flexibilität und Spontanität sind ebenfalls notwendig, denn manchmal sind die Etappenziele doch nicht so vorteilhaft, wie man sich das vorgestellt hat. Damit die Tour weiterhin Freude bereitet, sollte ein neues Ziel ausgewählt werden und nicht lange am ungeliebten Ort verweilt werden.

Ein weiterer Punkt ist die Angst, die einigen Einsteigern das Reisen mit Wohnmobil vermiest. Angst vor Einbrechern und Diebstahl ist unter den Mobilreisenden häufig vertreten. Dies führt dazu, dass sich zu viele Gedanken um die vermeintliche Sicherheit gemacht werden und die Reise nur mäßig mit Genuss zu tun hat.

Mit Wohnmobil unterwegs sein kann sehr bereichernd sein, wenn man sich auf alle Eventualitäten einlässt und mutig neue Wege wagt.

Alex

Alex

Alex ist schon seit seiner Jugend bei den Pfandfindern am liebsten Draußen unterwegs. Wenn er nicht gerade durch die Welt reist, schreibt er am liebsten über Outdoor, Survival und Prepper Themen.

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